Standortdaten:

08315 Lauter-Bernsbach
Bundesland / Landkreis:
Sachsen / Erzgebirgskreis
Höhe / Fläche:
377-813m ü. NN / 30,31 km²
Einwohner:
ca. 9.130

Bergbau in Lauter-Bernsbach

Die St. Michael Fundgrube an der Habichtsleithe

Dieses Gebiet ist ein historisches Zinnerzrevier, in dem ab 1663 über 100 Jahre lang der Bergbau umging. Das Revier erstreckt sich von der Mulde im Tal, ca. 3 km in Richtung Süden, bis zur Hohen Reith. Die Ost-West-Ausdehnung ist unterschiedlich und beträgt maximal 600 m. Die Zinnerzlager oder Zwitterflötze streichen mit dem Quarzitschiefer, in dem sie eingeschaltet sind, in nord-südlicher Richtung und fallen wie die Gesteinsschichten flach (20-30°) nach Südwesten ein. Die Mächtigkeit schwankte zwischen einigen Zentimetern und maximal 3 Meter. Diese Zwitterflötze sind im Revier durch hunderte Grubenbaue (Schächte, Schürfe, Tagebaue, Stollen) angefahren und abgebaut worden.

Der Zinnerzbergbau an der Habichtsleithe hatte durchaus größere lokale Bedeutung (Weißblechherstellung). Da er heute fast in Vergessenheit geraten ist, soll mit dem aufgewältigten Stollen dazu beigetragen werden, diesen Teil unserer Heimatgeschichte wieder erkennbar zu machen.

Am 10. Mai 2001 sind die Aufwältigungs- und Rekonstruktionsarbeiten dieses Stollenmundloches begonnen worden, die bis zum Frühjahr 2003 dauerten.

Christoph Lang am St. Michael Stolln an der Habichtsleithe

Als diese Fundgrube gemutet wurde, war der Bergbau auf Zinnerze an der Habichtsleithe in seiner besten Zeit. Der originale Mutungstext lautet: "Hans Lauckner muth den 10. July 1704 eine Fundgrube an der Habichtsleithe, unterm Erzengel gelegen, streckt das Feld 1 Wehr hinauf und 2 Wehr hinab, den Gottes Geschicker Gewerken zum Besten, bestätigt am 30. July 1704." Mit dieser Mutung wurde die Grube zu einem Lehn der Gottes Geschick Fundgrube und ist von dieser auch bis 1728 verwaltet worden.

Der Schichtmeister war Johann David Lindemann und der Steiger Hans Lauckner. Neben dem Steiger waren noch 3 Häuer und 1 Junge auf der Grube beschäftigt. Sie arbeiteten im Fundschacht auf einem Zwitterflötz in 4 Lachter (8m) Teufe. Das Flötz war ½ Lachter (1m) mächtig und führte so genannte gemeine Zwitter, also kein besonders reiches Erz. Dieser Fundschacht ist heute leider nicht mehr vorhanden.

1706 war man mit dem Abbau auf dem Flötz ungefähr 8-9 Lachter (16-18m) abgesunken und bekam zunehmend Probleme mit den stark aufgehenden Grubenwässern. Zeitweise musste der Grubenbetrieb deshalb ganz eingestellt werden. Aus diesem Grund entschlossen sich die Gewerken der Grube, im Quartal Lucia 1707 (4. Quartal) einen Tagestollen, den St. Michael Stollen, in dieses Grubengebäude zu treiben und es damit vom Wasser zu lösen. Im gleichen Quartal sind dann auch noch 5 Lachter (10 m) aufgefahren worden. Die gesamte Auffahrung erfolgte nach dem Gedinge, d.h. für ein bestimmtes aufzufahrendes Stück Stolln bekamen die Häuer einen vorher festgelegten Geldbetrag. Die Auffahrung selbst ist ausschließlich mit Schlägel und Eisen durchgeführt worden.

Am Ende des Jahres 1708 wurde das Zwitterflötz angefahren und man begann darauf abzuteufen. Das ursprüngliche Vorhaben, die oberen Abbaue in der Fundgrube vom Wasser zu lösen, hatte man erst einmal aufgegeben. Der Grund war sicher das fehlende Geld, denn die Grube besaß inzwischen einen Receß von 1327 fl. (Florentiner).

Also wurde vom Stollen aus Abbau getrieben, Zwitter gewonnen und daraus auch etwas Zinn geschmolzen. Bis zur Einstellung des Grubenbetriebes im November 1710 blieb es bei dieser Arbeit. Die nächsten 12 Jahre wurde die Grube und der Stollen nur in Fristen gehalten und als Zwitterreserve betrachtet. Ab 1722 ist die St. Michael Fundgrube noch einmal nachweislich in Betrieb gewesen. In dieser Zeit ist die Grube aufgewältigt und der alte Abbau weiter aufgefahren worden. Gleichzeitig hat man begonnen, einen kleinen Stollen ins Liegende des Flötzes zu treiben. Da das Flötz zu arm geworden war, stellten die Gewerken im Quartal Lucia 1723 den Grubenbetrieb endgültig ein.

Im Stollen herrschen das ganze Jahr über gleichbleibende Temperaturen. Deshalb überwintern hier Lurche und Fledermäuse.

Quelle: Sächsisches Bergarchiv Freiberg

Christoph Lang
Interessengemeinschaft Lauterer Geschichte

Lauterer Bergbaugeschichte

Die weiße Erde von Lauter

Weiße Erde, auch Kaolin genannt, ist ein wichtiger Rohstoff für die Porzellanherstellung. Der sächsische Churfürst August der Starke verlieh 1711 der Weiße Erden Zeche in Aue das Privileg zum alleinigen Abbau von Kaolin und der Belieferung der Manufaktur Meißen. Die Gewinnung und Aufbereitung dieses, auch Porzellanerde, genannten Rohstoffs wurde geheimgehalten und die Befahrung der Grube in Aue für fremde Personen untersagt. Das in Fässern verpackte Kaolin hat man unter militärischem Schutz nach Meißen transportiert. Ganz besonders strenge Strafen gab es für die Ausführung der weißen Erde ins Ausland.

Da in Sachsen im Laufe der Zeit noch andere Kaolinlager entdeckt wurden, begann der Churfürst ab1727 solche Gruben aufzukaufen und zu schließen, z.B. die Gottes Geschick und Weiße Schwan Fundgrube in Bockau oder die Weiße Maus Fundgrube in Grünstädtel.

Die Kontrolle und Überwachung des Abbaus der weißen Erde war dem sächsischen Churfürsten also äußerst wichtig.

Vor diesem Hintergrund muteten im Frühjahr 1753 die Lauterer Christian Heinrich Weißflog, Johann Georg Barth sen. und jun., Johann Friedrich Lauckner und Georg Heinrich Espig am Kirchberg eine Fundgrube auf Eisenstein. Sie teuften einen kleinen Schacht, mit dem sie 7 m untertage einen Eisensteingang anfuhren. Dieser Gang führte einen weißen Sand bei sich, der eine Elle mächtig war. Um die Sache genauer zu untersuchen, fuhren sie auf diesem Gang einen kurzen Stolln nach Norden. Bald zeigte sich, dass sie ein ganzes Lager dieser weißen Erde erschürft hatten. Vorerst bauten sie nur eine Probe davon ab und verwahrten diese in einer Kiste im Hause von Weißflog.

Im August 1754 erhielt der Bergkommissar Andreas Wilhelm Stock vom Bergamt Schneeberg Kunde von dieser weißen Erde. Diesem Bergbeamten waren natürlich alle Verordnungen hinsichtlich des Kaolins bekannt. Und so begab er sich nach Lauter zum Hause von Weißflog, um die Sache zu untersuchen. Da der Hausherr nicht zu Hause war, ließ er sich von dessen Frau den Kaolinvorrat zeigen. Zur weiteren Untersuchung bestellte er dann Weißflog und seine Helfer für den 18. August 1754 ins Bergamt Schneeberg. Dort erzählten sie, dass sie wussten wozu das Auer Kaolin verwendet wurde, und sie sich große Hoffnung machten, auch ihre entdeckte weiße Erde nach Meißen verkaufen zu können.

Deshalb waren schon vor geraumer Zeit Johann Georg Barth sen. und Georg Heinrich Espig nach Dresden und Meißen gegangen und hatten dort versucht, einen Käufer für ihre weiße Erde zu finden. Den fanden sie zwar nicht, aber wenigstens konnten sie damals eine Probemenge zur weiteren Untersuchung in Meißen zurück lassen.

Wie man Ihnen später mitteilte, fiel diese Probe leider nicht günstig aus. Der Geschworene Süß vom Bergamt Schneeberg sagte ihnen, sie sollten den weißen Dreck unter die Masse stürzen oder ins Wasser werfen. Da sie sich damit nicht abfinden wollten, waren sie noch einmal zum Geschworenen Süß gegangen. Sie schilderten ihm ihre ärmliche Lebensweise und äußerten die Bitte „ er möge sich höheren Orts für sie verwenden, damit sie vom allerteuersten Landesvater, Ihrer königlichen Majestät, die hohe Gnade erlangten, ihren weißen Erden Bau fortsetzen und den gewiss beträchtlichen Schatz zu Tage fördern zu dürfen".

Sie boten an, selbst 50 Taler aufzubringen und damit einen neuen Schacht zu teufen, weil der alte wegen mangelndem Ausbau inzwischen sehr verbrochen war. Der Geschworene Süß versprach, die ganze Angelegenheit ans Oberbergamt Freiberg zu berichten. Bedingung war, dass sie über ihren Fund nichts weiter erzählten und von ihren Vorräten nichts abhanden kommen ließen.

Am 11. April 1755 erfolgte vom Oberbergamt eine abschlägige Antwort auf das Ersuchen der Lauterer Eigenlöhner. Das war nicht weiter verwunderlich, denn niemand war an Kaolin aus einer anderen Lagerstätte, außer Aue, interessiert. Das Oberbergamt verfügte außerdem, dass die Grube mit Bergen verstürzt und spurlos beseitigt wurde.

Aus der Landschaft konnte man die Grube restlos beseitigen. Aus den alten Akten jedoch war das nicht möglich und so kann man, über die noch vorhandenen Quellen, die Lage der Fundgrube auch heute noch feststellen.

Quelle: Sächsisches Bergarchiv Freiberg

Christoph Lang
Interessengemeinschaft Lauterer Geschichte

Bergbau in Bernsbach

Die Intensität, Vielfalt und Ausbeute des Bergbaus in Lauter und Bernsbach sind keineswegs vergleichbar mit der Bedeutsamkeit des Bergbaus in Schneeberg, Annaberg-Buchholz, Johanngeorgenstadt, Scheibenberg, Schlettau und anderen Erzgebirgsstädten.

 

- Wesentliche Angaben und Aufzeichnungen über den Bergbau in und um Bernsbach befinden sich in den Unterlagen des einstigen Bergamtes Schneeberg. Nach den Angaben dieser Bergbehörde dürfte der erste Schürfversuch in Bernsbach in die Zeit des großen Schneeberger Berggeschreis um 1470 einzuordnen sein. Erst in späteren Jahrhunderten oblag die Bergaufsicht auch anderen Amtsbereichen.

 

- In den Schneeberger Belehnungsurkunden wird einer „alten Hüttstatt unter Bärnspach gelegen“ gedacht. Diese Schmelzhütte bezog Silber-, Eisen- und Schwefelerze aus Gruben am Krahl (auch Krail). Die bedeutsamste Zeche war die „Margaretha“. Den Höhenzug „uffm Hübel“ (heute „Am Berg“) durchzogen mehrere Lager der kiesig-blendigen Bleierzvorkommen mit besonders hohen Anteil an Arsen- und Schwefelkies. Rund um die zahlreichen Schürfschächte entstand eine Bergbausiedlung und ist identisch mit dem heutigen Ortsteil „Am Berg“.

 

1738 findet der Margaretha-Erbstolln, später als Rudolph-Stolln bezeichnet, letztmalig Erwähnung. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 gab man das Bergrecht auf „Bergsegen“ auf. Im Zusammenhang mit dieser Grube gab es immer wieder (vergebliche) Versuche, den Bergbau in diesem Bereich fortzusetzen. Im Jahre 1805 stattete der „Sächsische Oberberghauptmann“ Freiherr von Herder (Sohn des Goethe-Freundes Johann Gottfried von Herder) dem „Vereinigte-Gesellschaft-Stolln“ am Schwarzwasser  auf seiner Reise nach Schneeberg einen Besuch ab. Dabei soll er Faktor Haustein wegen dessen Verdienste um den hiesigen Bergbau gelobt haben. Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts sicherten Bergfreunde den markanten Schlussstein. Danach wurde der Zugang zum Stolln ganz verfüllt. Damit ging einer der wenigen Sachzeugen des Bernsbacher Bergbaus verloren.

 

- Etwa 500 Meter am Schwarzwasser flussaufwärts und in der Nähe des Lauterer Bahnhofs befindet sich dank des unermüdlichen Einsatzes einiger „hiesiger“ Bergfreunde das wieder aufgewältigte Mundloch des „Segen-Gottes-Stolln(s)“, der einstmals Eisen und Mangan lieferte. Im Januar des Jahres 1858 besann man sich des längst verfallenen Stollns. Doch mussten die begonnenen Aufbewältigungsversuche vom Stollnmundloch aus wegen akuten Geldmangel eingestellt werden. Die Bernsbacher Grubenbesitzer schlossen sich deshalb 1859 mit der Zeche „Alte-Hoffnung-Gottes-Stolln“ nahe des Gasthauses „Am Teufelsstein“ zusammen. Durch die Inbetriebnahme der Bahnlinie Zwickau-Schwarzenberg musste der Holzausbau der Zeche aus Sicherheitsgründen durch eine dauerhafte elliptische Ziegelmauerung ersetzt werden.

- Ende des Jahres 1860 entdeckten Bergleute ein weiteres Eisenerzvorkommen, das aber nicht abbauwürdig erschien. Nach 1945 ließ die SAG-Wismut diesen Stolln untersuchen. Diese Versuche ergaben nicht das erhoffte Ergebnis, Uran-Pechblende zu finden. Weitere Stolln- und Schürfversuche veränderten an dieser Stelle das Landschaftsbild.

 

- Im Schürfgebiet am Teufelsstein ist das Granatlager mit Einlagerungen von Quarz, Pistazit und Erlan unmittelbar an der Uferböschung des Schwarzwassers bedeutsam. Arminith, Schiefer- und Flussspat sind weitere Begleitminerale. Weitere Gruben werden dort vermutet. Stolln- und Schachthalden haben sich dies- und jenseits vom Mühlberg bis heute erhalten. Am Mühlberg findet man am „Gehänge“ des rechten Flussufers die mit Gebüsch überwachsene Halde des „Paulus-Stolln(s)“. Dessen Zugang ist auch heute noch gut sichtbar. 1920/23 war diese Fundgrube für einen Dresdner Hausvermieter mit Namen Helbig ein Spekulationsobjekt. Sein Ansinnen, auf dem 97 Hektar großen Grubenfeld eine Bergbau-AG zu gründen, misslang.

 

- Auch am Südhang des „Einsiedels“ wurde um 1500 bereits Bergbau betrieben. Einige Schürfe und Halden haben sich bis heute dort oben erhalten.

Die ältesten Beweise für ein Silberausbringen der Krahler Zechen verzeichnen die Schneeberger Zehntamtslisten. Demnach wurden 1484 dort mehr als 42 Gewichtsmark Silber ausgebracht. Die Blütezeit des Bernsbacher Bergbaus fiel unter die Dienstzeit des Schichtmeisters Hans Knobloch, der auch dem Schneeberger „Markus-Semmler-Stolln“ vorstand. 1511-1526 schüttete die Krahl-Fundgrube 69,4 kg Silber aus. Doch bald waren die gut gewinnbaren oberflächlichen Anbrüche erschöpft.

 

Bemerkungen zum Text „Bergbau in Bernsbach“ :

Die Aussagen zum Bernsbacher Bergbau sind nicht vollständig. Die Fakten dieser Darstellung sind der Abhandlung über den Bernsbacher Bergbau durch Jens Hahn in der Festschrift zum „Heimatfest – 775 Jahre Bernsbach“ entnommen.

 

Segen-Gottes-Stolln

 

Mundlochbau
Im Stolln
Aufwältigung